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Vorstellungsgespräch mit Headhunter: So geht’s

Ein Headhunter hat Sie zum Vorstellungsgespräch eingeladen, und Sie fragen sich, wie Sie sich optimal vorbereiten? Im Wesentlichen gilt zwar das Gleiche wie bei einem Vorstellungsgespräch mit einem potenziellen Arbeitgeber, aber es gibt doch einige Unterschiede und Besonderheiten, die Sie beachten sollten. Im Folgenden erfahren Sie mehr über die verschiedenen Typen von Headhunter-Gesprächen und wie Sie sich am besten darauf einstellen...

Vorstellungsgespräch mit Headhunter: Drei Gesprächstypen

 

Zunächst einmal kommt es auf die Situation an, in der Sie Ihr Vorstellungsgespräch mit dem Headhunter führen:

 

  • Will er Sie nur unverbindlich einmal kennenlernen?
  • Dient das Gespräch der Vorauswahl für eine konkrete Stellenbesetzung?
  • Oder stellen Sie sich direkt bei dem suchenden Unternehmen vor?

 

Diese drei Situationen führen zu unterschiedlichen Gesprächstypen:

 

Gesprächstyp 1: Unverbindliches Kennenlernen

 

Bei diesem Typ von Vorstellungsgespräch handelt es sich um ein erstes, unverbindliches Kennenlernen ohne Bezug zu einem konkreten Suchauftrag.

 

Im Hintergrund steht die Tatsache, dass manche Headhunter Kontakte zu interessanten Kandidaten pflegen, noch bevor sie den Suchauftrag eines Unternehmens erhalten haben. Besonders häufig kommt das bei solchen Headhuntern vor, die sich auf eine bestimmte Branche spezialisiert haben. Auf diese Weise sichern sie sich stets einen Überblick, wer sich gerade in welcher Position befindet und für wen es Zeit ist, den nächsten Karriereschritt zu tun. Wenn dieser Headhunter dann einen Suchauftrag erhält, braucht er nicht lange zu recherchieren, sondern kann gezielt den passenden Kandidaten aus seinem Netzwerk ansprechen.

 

Beim ersten, unverbindlichen Kennenlernen sondiert der Headhunter zunächst einmal nur, ob es sich für ihn lohnt, Sie in sein Netzwerk aufzunehmen. Ein solches Gespräch findet gewöhnlich im Büro des Headhunters oder in einem Hotel statt.

 

Gesprächstyp 2: Vorauswahl für eine Stellenbesetzung

 

Beim zweiten Gesprächstyp handelt es sich um das erste Auswahlgespräch für eine konkrete Vakanz. Dieses Gespräch führt der Headhunter in der Regel allein. Er prüft die Eignung einer größeren Anzahl von Bewerbern, bevor er im nächsten Schritt dem auftraggebenden Unternehmen die aus seiner Sicht besten Kandidaten vorstellt. Auch in diesem Auswahlgespräch werden Sie ins Büro des Headhunters oder in ein Hotel eingeladen.

 

Gesprächstyp 3: Vorstellung beim potenziellen Arbeitgeber

 

Dem suchenden Unternehmen werden Sie meist erst im zweiten Schritt vorgestellt, nachdem der Headhunter mit Ihnen gesprochen hat. Aber es gibt auch Ausnahmen, und manchmal findet schon das erste persönliche Gespräch direkt beim Arbeitgeber statt.

 

In manchen dieser Gespräche ist der Headhunter dabei, in anderen nicht. Wenn er nicht selbst teilnimmt, sollte er zumindest vorher mit Ihnen Ihre Interview-Vorbereitung durchgehen und Sie entsprechend briefen.

 

Vorstellungsgespräch mit Headhunter: Die Vorarbeit

 

Wenn Sie eine Einladung zum persönlichen Gespräch mit einem Headhunter erhalten haben, sollten Sie sich zunächst einmal genau informieren, was auf Sie zukommt. Dazu können Sie beispielsweise die Bestätigung des Vorstellungstermins nutzen. Hier sind einige Fragen, deren Beantwortung Ihnen bei der anschließenden Gesprächsvorbereitung helfen kann:

 

  • Um welchen Gesprächstyp handelt es sich, was ist der Zweck des Gesprächs?
  • Wer nimmt teil?
  • Um welche Position geht es?
  • Bei welchem Unternehmen?
  • Wo findet das Gespräch statt?
  • Wie lange wird es dauern?
  • Welche Unterlagen soll ich mitbringen?

 

Die Identität des suchenden Unternehmens wird der Headhunter nicht immer vor dem ersten Gespräch preisgeben. Dafür gibt es in der Regel gute Gründe, und Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als das Vorgehen zu akzeptieren.

 

In anderen Fällen nennt der Headhunter Ihnen nicht nur das Unternehmen, sondern er gibt Ihnen auch ein ausführliches Dossier zu dem spezifischen Umfeld, in dem der zukünftige Stelleninhaber arbeiten soll.

 

Ein solches Dossier enthält wertvolles Insiderwissen. Sie als Kandidat erkennen daran, dass der Headhunter über das Unternehmen Bescheid weiß und es wahrscheinlich schon seit längerem berät. In den meisten Fällen ist das ein Merkmal für die Qualität des Headhunters. Außerdem spricht es auch für Kontinuität in der Personalpolitik des potenziellen Arbeitgebers.

 

Vorbereitungen zu Ihrer Person

 

Ihre sorgfältige Vorbereitung ist im Gespräch mit einem Headhunter mindestens genauso wichtig wie bei einem Interview mit dem potenziellen Arbeitgeber. Im Gesprächstyp 1 geht es vorrangig oder sogar ausschließlich um Ihre Person und um Ihren beruflichen Werdegang. Allerdings spielen diese Themen auch in den Gesprächen vom Typ 2 und Typ 3 eine bedeutende Rolle.

 

Hier sind einige Themen, auf die Sie unbedingt vorbereitet sein sollten:

 

  • Die Stationen Ihres beruflichen Werdegangs sollten Sie abrufbereit im Gedächtnis haben.
  • Ihre Wechselmotivation interessiert den Headhunter besonders, sowohl für den jetzt geplanten als auch für frühere Wechsel. Bringen Sie plausible Erklärungen, ohne sich als passives Opfer betrieblicher Entscheidungen darzustellen. Reden Sie nicht schlecht von Ihrem jetzigen oder früheren Arbeitgebern und zeigen Sie, dass Sie ein loyaler Mitarbeiter sind.
  • Belegen Sie Ihre Qualifikation für die zu besetzende Stelle mit Fakten und Beispielen.
  • Überlegen Sie im Vorfeld auch, wie Sie Fragen nach Ihren Stärken und Schwächen im Vorstellungsgespräch beantworten.
  • Und nicht zuletzt sollten Sie Ihre kurze Selbstpräsentation einüben, bei der Sie in knapper Form ein komplettes Bild von sich geben.

 

Der Headhunter wird zahlreiche Fragen an Sie haben, vor allem zu Ihrer Persönlichkeit und zu Ihren Soft Skills. Diese Fragen werden von vielen Kandidaten als besonders unangenehm empfunden. Hier sind zehn typische Fragen dieser Art:

 

  • Was war Ihr bisher größter Erfolg, und wie haben Sie diesen erreicht?
  • Was war Ihre größte Herausforderung, und wie haben Sie diese bewältigt?
  • Was bedauern Sie am meisten? Warum?
  • Was treibt Sie an?
  • Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?
  • Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
  • Welche Ziele verfolgen Sie in Ihrer Karriere?
  • Was mögen Sie an Ihrer derzeitigen Position am wenigsten?
  • Warum sind Sie bereit, Ihre aktuelle Position zu verlassen?
  • Wären Sie bereit, umzuziehen?

 

Vorbereitungen zur Stelle und zum Unternehmen

 

In den Gesprächen von Typ 2 und Typ 3 geht es um die Besetzung einer konkreten Stelle. Damit Sie sich selbst und Ihre Qualifikation überzeugend und mit Bezug zur Zielposition darstellen können, sollten Sie im Vorfeld so viel wie möglich über die Stelle und - falls es Ihnen schon bekannt ist - über das suchende Unternehmen in Erfahrung bringen.

 

Fragen Sie zunächst ruhig dem Headhunter ein Loch in den Bauch und haben Sie keine Angst, ihm auf die Nerven zu fallen. Normalerweise wird der Headhunter Ihr Interesse begrüßen, denn er präsentiert seinem Auftraggeber lieber einen engagierten, gut informierten und gut vorbereiteten Kandidaten als einen, der passiv darauf wartet, dass ihm die relevanten Informationen mundgerecht aufgetischt werden.

 

Und nutzen Sie darüber hinaus auch andere Informationsquellen wie ...

 

  • die Unternehmenswebsite,
  • Geschäftsberichte und andere Publikationen des Unternehmens,
  • Presseberichte,
  • Firmenverzeichnisse wie die Hoppenstedt-Firmeninformationen,
  • ihr eigenes Netzwerk - vielleicht kennt einer ihrer Kontakte das Zielunternehmen -,
  • soziale Netzwerke wie Xing oder Linkedin.

 

Ihre eigenen Fragen

 

Am Schluss sollten Sie auch eine Liste mit Ihren eigenen Fragen vorbereiten. Beim Gesprächstyp 1 werden diese eher allgemeiner Natur sein, etwa

 

  • wie der Headhunter Ihre Chancen am Arbeitsmarkt beurteilt,
  • welche Tipps und Ratschläge er für Sie hat und
  • ob er die Möglichkeit sieht, Sie mittelfristig bei einem seiner Kundenunternehmen zu platzieren.

 

Beim Gesprächstyp 2 und 3 erkundigen Sie sich am besten nach allem, was für Sie wichtig ist, um eine fundierte Karriereentscheidung treffen zu können. Hier sind ein paar Beispiele, die auf Ihrer Fragenliste stehen könnten:

 

  • Welches sind meine Aufgaben?
  • Wem bin ich unterstellt, wem vorgesetzt?
  • Welche Ziele soll ich erreichen, und wie viel Zeit habe ich dafür?
  • Gibt es eine Stellenbeschreibung?
  • Wie verläuft die Einarbeitungszeit, gibt es einen Einarbeitungsplan?
  • Warum ist die Stelle vakant?
  • Wie lange war der Vorgänger in der Position?
  • Warum ist er ausgeschieden?

 

Mit dem Headhunter können Sie offen über all diese Fragen sprechen, ohne - wie vielleicht beim Vertreter des potenziellen Arbeitgebers - Angst vor Peinlichkeiten haben zu müssen. Vom Headhunter dürfen Sie ehrliche Antworten erwarten, auch wenn im auftraggebenden Unternehmen in der Vergangenheit einmal nicht alles rund gelaufen ist.

 

Im Gegenzug erwartet der Headhunter allerdings auch Ehrlichkeit von Ihnen. Das gilt besonders für kritische Punkte in Ihrer Karriere.

 

Vorstellungsgespräch mit Headhunter: Der Gesprächsablauf

 

Das Vorstellungsgespräch mit einem Headhunter kann auf die gleiche Weise ablaufen wie ein typisches Jobinterview. Dann lässt es sich grob in die folgenden Phasen einteilen:

 

  • Smalltalk zum Warmwerden
  • Der Headhunter stellt das Unternehmen und die Position vor
  • Der Kandidat erzählt (kurz) über sich
  • Der Kandidat beantwortet (kritische) Fragen des Headhunters
  • Der Kandidat stellt seine Rückfragen an den Headhunter
  • Abschluss

 

Dabei kann die Reihenfolge der Phasen variieren, und gelegentlich kommt es zu Überschneidungen. Das Interview mit dem Headhunter kann aber auch komplett davon abweichen. Es kann länger oder kürzer dauern, und es kommt vor, dass der Headhunter sich aus Zeitmangel nur auf einige wichtige Punkte konzentriert und alle anderen Themen im ersten Gespräch unter den Tisch fallen lässt.

 

Auf jeden Fall sollten Sie sich am Ende des Gesprächs erkundigen, wie es jetzt weitergeht, wann Sie mit einer Rückmeldung rechnen können und welches die nächsten Schritte wären.

 

Vorstellungsgespräch mit Headhunter: Die Nachbereitung

 

Für alle drei Typen des Vorstellungsgesprächs mit einem Headhunter gilt, dass eine sorgfältige Gesprächsnachbereitung sich doppelt lohnt. Denn der Headhunter kann Sie nicht nur in der aktuellen Situation, sondern auch bei zukünftigen Jobwechseln unterstützen. Mit den folgenden drei Tipps holen Sie das Optimum aus dem Kontakt heraus.

 

1. Dankschreiben

Senden Sie dem Headhunter nach dem Gespräch ein kurzes Dankschreiben - unabhängig davon, wie das Gespräch ausgegangen ist. Selbst wenn beim aktuellen Projekt ein anderer Bewerber den Vorzug erhält, könnten Sie ja bei einem zukünftigen Suchauftrag der Richtige sein.

 

2. Feedback

Bitten Sie nach dem Gespräch um Feedback - besonders wenn Sie abgelehnt wurden. Der Headhunter ist ein Profi in der Beurteilung von Kandidaten; seine Tipps und Hinweise können von unschätzbarem Wert für Sie sein.

 

3. Kontakt

Bleiben Sie in Kontakt mit dem Headhunter, insbesondere wenn er auf Ihre Branche spezialisiert ist. Der bequemste Weg ist die Vernetzung in Social Media wie Xing oder Linkedin. Wenn der Headhunter dann nach Kandidaten für neue Projekte sucht, wird es ihm nicht schwerfallen, Sie wiederzufinden.

 

xing-news.com, Dezember 2015